Was ist das Mittelalter?

"Das (eine) Mittelalter" gibt es nicht!
Der Begriff umfasst eine Zeitspanne von rund 1.000 Jahren und bezieht sich hauptsächlich auf das westliche Europa, dem "christlichen Abendland" bzw. den "Okzident".
Das Mittelalter wird in drei Epochen eingeteilt:

  • Das Frühmittelalter beginnt etwa am Anfang des 6. Jahrhunderts, also um das Jahr 500 n. Chr.  und folgt damit auf die Spätantike. Dieser Übergangszeitraum ist geprägt vom Ende der Völkerwanderung und dem Untergang des Weströmischen Reiches.
    Daraus entstehen die neuen Reiche der Westgoten in Spanien, der Ostgoten in Italien, der Franken im heutigen Frankreich sowie der Angeln und Sachen im heutigen England.
    Diese sind geprägt von den Herrschergeschlechtern der Merowinger, Karolinger und Ottonen.
    Zum Frühmittelalter gehört auch die "Wikingerzeit" die etwa 790 n. Chr., also am Ende des 8. Jahrhunderts beginnt.
    Es endet in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, also zwischen den Jahren 1.000 und 1.050 n. Chr.
  • Es folgt das Hochmittelalter, welches geprägt ist von einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.
    Die Christianisierung des Abendlandes ist weitestgehend abgeschlossen.
    Die Kirche und das Papsttum ringen mit den weltlichen Königen um die Herrschaft.
    Es gibt ein deutliches Bevölkerungswachstum, welches Handwerk und Handel fördert und Städte wachsen lässt.
    Es entsteht das erste Bankenwesen.
    Die ersten Universitäten werden gegründet.
    Bildung ist nicht mehr einzig dem Klerus vorbehalten.
    Die ersten Kreuzzüge finden statt, in deren Folge sich die ersten Ritterorden gründen.
    Es entwickelt sich das Rittertum, welches unser heutiges Bild vom Ritter in glänzender Rüstung prägt.
  • Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts, also um das Jahr 1.250 n. Chr. beginnt das Spätmittelalter.
    Die Kreuzzüge enden und der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England bricht aus.
    Es gibt eine "kleine Eiszeit" und die Pest, der "Schwarze Tod" grassiert.
    Das Feudalsystem und die Leibeigenschaft finden langsam ihr Ende.
    Das Schwarzpulver wird erfunden und die ersten Kanonen und Handfeuerwaffen werden entwickelt.
    Damit beginnt auch der "klassische" Ritter von den Schlachtfeldern zu verschwinden und das Rittertum wird langsam vom Bürgertum abgelöst.
    Die berühmte Hanse erlebt eine Blütezeit.
    Das Mittelalter endet gegen Ende des 15. bzw. zu Beginn des 16. Jahrhunderts, also um das Jahr 1.500 n. Chr.
    Entscheidende Ereignisse, die das Ende des Mittelalters markieren sind die Erfindung des modernen Buchdrucks von Johannes Gutenberg, die Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus, die Reformation sowie die Eroberung Konstantinopels durch das Osmanische Reich und dem damit einhergehenden Ende des Byzantischen Reiches, dem Nachfolger des Oströmischen Reiches, also dem letzten Überbleibsel der Antike.
    Es ist der Beginn der Neuzeit.

All diese Entwicklungen und Veränderungen fanden über die Jahrhunderte hinweg in ganz Europa nie überall gleichzeitig oder gleich schnell statt.
"Das Mittelalter" war räumlich, sprachlich und kulturell ein sehr diverser und von stetem Wandel geprägter Teil unserer Geschichte.

Davon zu unterscheiden sind die kunstgeschichtlichen Epochen Vorromanik, Romanik und Gotik, deren zeitliche Einordnung zwar in etwa mit den mittelalterlichen Epochen übereinstimmen, die sich aber ausschließlich auf die europäische Kunst und Architektur beziehen.





 
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